Aufgrund jüngster Medienberichterstattung finden Sie hier eine umfassende sachliche Einordnung meiner Methodik.
Google fungiert als kognitive Erweiterung des Menschen. Im digitalen Zeitalter erfolgt auch die Vorbereitung krimineller Handlungen zunehmend über Suchanfragen. Aus 1,1 Milliarden Websites lassen sich gezielt Informationen extrahieren — schnell, anonym und mit hoher Reichweite.
Die enge Verzahnung zwischen Mensch und Maschine hinterlässt Spuren — häufig unbewusst und unbeabsichtigt. Bei der digitalen Aufklärung können selbst beiläufige Suchanfragen Hinweise liefern, die sich unter bestimmten technischen und rechtlichen Voraussetzungen nachträglich sichtbar machen lassen.
Google verfügt über 79 % Marktanteil bei Desktop-Suchen weltweit, bei mobilen Endgeräten liegt dieser bei etwa 94 %. Die Nutzung unterscheidet sich je nach Land erheblich. Pro Sekunde beantwortet Google weltweit etwa 40.000 Suchanfragen.
Google Trends ist ein Analysewerkzeug, mit dem sich Suchvorgänge zeitlich und geographisch visualisieren lassen. Es zeigt auch Suchvorgänge mit ähnlicher Entwicklung im Suchverhalten. Ursprünglich für das Digitalmarketing konzipiert, ermöglicht es die Erkennung von Bedürfnissen und eine bessere Planung von Marketingmaßnahmen.
Vor jeder Interpretation steht das Verständnis der Datenstruktur. Google Trends macht spezifische technische und rechtliche Vorgaben, die für eine belastbare Auswertung berücksichtigt werden müssen.
Google Trends unterscheidet zwischen Livedaten (7 Tage Rückblick mit hoher zeitlicher Auflösung) und historischen Daten (bis 2004, weniger detailliert und bei geringer Nachfrage kaum nutzbar).
Zum Schutz persönlicher Daten berücksichtigt Google Trends nur Suchvorgänge zu Personen von öffentlichem Interesse. Eine gewisse Menge unabhängiger Suchvorgänge muss registriert werden, bevor Suchverläufe ausgegeben werden.
Google Trends liefert keine absoluten Werte. Sie werden auf einer Skala von 0–100 % im gewählten Zeitraum aufgetragen. Mehrere Suchphrasen lassen sich zeitlich vergleichen — für ungefähre Größenordnungseinschätzungen.
Google Trends unterscheidet zwischen regulärer Suche (verschiedene Anordnungen und kontextbezogene Ergänzungen) und Exact Match (nur exakte Schreibweise in gesetzten Anführungszeichen).
Die Herkunft wird über IP-Adresse oder Standort des mobilen Endgeräts abgeleitet. Der Standort kann durch VPN oder andere Techniken verschleiert werden. In der Analysepraxis zeigt sich, dass Verschleierungsambitionen von Suchbegrifftyp, Tätergruppe und Standort abhängig sind.
Einzelsignale sind nicht aussagekräftig. Erst die mehrfache Prüfung und das Übereinanderlegen unabhängiger Datenfäden ergibt ein belastbares Bild — und macht valide Hinweise von Artefakten unterscheidbar.
Google Trends wurde für große Datenmengen konzipiert. Die Systemarchitektur berücksichtigt nur Stichproben und ergänzt fehlende Bereiche mit errechneten Wahrscheinlichkeiten. Das kann zu Artefakten führen — scheinbaren Suchvorgängen, die nie abgesetzt wurden. Suchvorgänge mit sehr geringem Suchvolumen müssen kritisch hinterfragt werden; Ergebnisse sind zeitlich nicht stabil und können als digitales Rauschen interpretiert werden. Suchvorgänge müssen mehrfach geprüft und zeitlich quervalidiert werden.
„Wenn ein Suchbegriff in der betrachteten Periode nur ein sehr geringes Suchvolumen aufweist, kann es hier zu kleinen Abweichungen auch in abgeschlossenen Zeiträumen kommen." — Isabelle Sonnenfeld
Die Analyse einzelner Suchvorgänge gleicht dem Blick auf ein Fragment. Erst wenn mehrere scheinbar zusammenhanglose Teile zeitlich übereinandergelegt werden — wie transparente Folien im Licht einer fokussierten Lampe — entsteht ein aussagekräftiges Gesamtbild. Ein konsistenter Anstieg in unterschiedlichen, aber thematisch verwandten Suchvorgängen kann als statistisch plausibler Hinweis gewertet werden. Die Quervalidierung bettet Einzelsignale in übergeordnete Muster ein und hilft, valide Hinweise von Artefakten zu unterscheiden.
Beispiel: Nach dem Namen „Anton Tscherepennikow" wurde in den gleichen Zeiträumen gesucht wie zu Informationen zur Xenontherapie. Der russische Unternehmer wurde später tot aufgefunden; Todesursache war Intoxikation durch Xenongas. In der Praxis zeigte sich, dass Analysen mehr durch fehlende als durch konfabulierte Daten beeinflusst wurden, da letztere über Quervalidierung reduziert werden konnten. Datenlücken entkräften Tathypothesen tendenziell eher, als dass sie sie untermauern.
Analysen sollten mit nachweisbaren Realbezügen ergänzt werden. Daten mit unumstößlicher Validität sollten mit nicht direkt prüfbaren Sachverhalten abgeglichen werden.
Suchvorgänge müssen in der Fülle zuverlässig als tätergebunden identifiziert werden. Dies gelingt meist über den zeitlichen Bezug. Suchvorgänge auf künftige, nicht vermutete Taten implizieren Vorkenntnis oder Erwartungshaltung und ermöglichen Rückschlüsse auf die Herkunft von Personen.
Im Vorfeld steht meist die Formulierung einer Hypothese, die entkräftet oder untermauert werden soll. Bei potenziell auffälligen Daten muss ein erheblicher Anteil der Zeit dafür investiert werden, alternative Gründe zu ermitteln. Nur wenn dies nicht möglich ist, kann der Datenfund als Ausgangspunkt für weitere Ermittlungen dienen.
Google-Trends-Ableitungen können nur einen Teilaspekt umfänglicher Ermittlungsarbeit liefern. Sie sind ein Teilstück und können helfen, Ermittlungen fokussierter anzugehen.
„Die von Google Trends abgeleiteten Indizien können keine Beweise im klassischen Sinne liefern. Sie können lediglich Fragen stellen, die zu einer informierten Entscheidungsfindung bei den Ermittlungen beitragen können."
Der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Daten ist zentral. Alle forensischen Analysen beachten geltende Datenschutzgesetze und ethische Grundsätze. Die Auswertung öffentlich zugänglicher Daten erfolgt zur Verständigung gesellschaftlicher Phänomene — niemals zur Untergrabung von Persönlichkeitsrechten.
Alle Arbeitsschritte sind auf maximale Transparenz, Fairness und wissenschaftliche Sorgfalt ausgerichtet. Analysen erfolgen auf aggregierter, anonymisierter Ebene.
Steven Broschart beschäftigt sich seit 2003 intensiv mit Google. Seit 2006 nutzt er Google-Trends-Daten. Seit 2018 fokussiert er auf forensische Auswertung, bei der digitale Spuren mit realweltlichen Ereignissen abgeglichen werden. Er unterstützt deutsche Ermittlungsbehörden bei komplexen Fällen.
