Im Vorfeld der Landtagswahl 2018 zeigt sich: die Parteien sind sehr unterschiedlich auf die digitale Wahrnehmung vorbereitet. Die Analyse vergleicht CSU, Grüne, AfD, SPD, FDP, Linke, Bayernpartei, ÖDP und Piratenpartei in den Suchergebnissen.
Die Stammwählerschaft schrumpft. Drei Gruppen werden besonders wichtig — sie tendieren zu spontanen Entscheidungen und brauchen viele positive Kontaktpunkte.
Etwa 50% der Wähler. Bis zur Stimmabgabe nicht festgelegt — entscheiden oft am Wahltag.
Etwa 5%. Brauchen grundlegende Informationen zur Wahl als Mechanismus.
Etwa 10%. Reagieren stark auf aktuelle politische Stimmungen.
Welche Parteien sind bei generischen Entscheidungs-Suchen sichtbar? Die Top-10 sind klar verteilt.
15 Top-10-Platzierungen — die meisten aller Parteien. Auch generische Suchphrasen wie „wahlprogramm landtagswahl“ erscheinen auf Platz 2. Google schließt aus dem hohen Suchvolumen auf eine generische Bedeutung.
Erzielt nur Platzierungen für markenbezogene Suchphrasen. Wer das CSU-Wahlprogramm finden will, muss gezielt nach der Partei suchen.
Bei diesen Suchanfragen nicht präsent.


Erschreckend: die Fragen der Zielgruppe werden kaum beantwortet. Hier zeigt sich nur die AfD relativ stark — im Sinne der demokratischen Vielfalt müssen die anderen Parteien nacharbeiten.
Die CSU sticht alle anderen Parteien haushoch aus — auch im Vergleich zur bundespolitischen AfD-Domain während der Glaser-Diskussion 2017.
Dominiert die Sichtbarkeit klar — auch dank ihrer bundespolitischen Bedeutung. Erscheint für die größte Anzahl an W-Fragen.
Hoher Einstieg, gefolgt von kontinuierlicher Präsenz. Beantwortet auch grundlegende Fragen wie „wahlschein“, „wahlzettel“ oder „erststimme“ — wichtig für Erstwähler.
SPD, Grüne und FDP folgen mit großem Abstand. Die kleineren Parteien generieren kaum allgemeine Platzierungen.


Die Parteien zeigen ein sehr unterschiedliches Vokabular — und unterschiedliche Bereitschaft, kontroverse Themen zu adressieren.
23 Top-100-Platzierungen im Kontext „gewalt“. CSU und AfD teilen sich 86 identische Suchphrasen — der inhaltliche Angriff der AfD auf die CSU lässt sich klar erkennen, ein Gegenangriff der CSU nicht.
Einzige Partei, die kontinuierlich für „spende“ und „paypal“ auf den vordersten Plätzen rankt — obwohl auch andere Parteien Spenden via PayPal annehmen.
Mehrere gute Platzierungen für „cannabis“ und „rauschmittel“. Beim Thema Kita: „zuschuss“ (FDP) wird häufiger gesucht als „beitragsfrei“ (SPD).
Rankt für „spd live stream“ und viele unpassende Stream-Phrasen. Das 125-Jahr-Jubiläum erzeugt Platzierungen zu historischen Wahlplakaten — wahlrelevant ist das nicht.
Erzielt sehr viele Platzierungen über PDF-Dokumente. Auf der ersten Suchergebnisseite werden HTML-Dokumente bessere Performance liefern als PDFs.
Selbst Excel-Dateien (Reisekosten-Formular) erzielen gute Platzierungen — wahlrelevant aber irrelevant.




Wer regional verankert ist, muss regional sichtbar sein. Die AfD-Bundespartei dominiert in Dresden — die bayerischen Parteien zeigen kein vergleichbares regionales Profil.


Strukturelle Entscheidungen ohne Bewusstsein für ihre Tragweite.
die-linke-bayern.de leitete im Beobachtungszeitraum auf bonuama.hol.es bzw. bonuama.de um — Duplicate Content, fragwürdiger Vertrauenseindruck. Die Startseite wird aktiv von der Indexierung ausgeschlossen.
Umleitung von gruene-bayern.de auf ichwill.gruene-bayern.de gefährdet gute Platzierungen der alten Startseite.
Umleitung von fdp-bayern.de auf fdp-frisches.bayern — von Marketingseite verständlich, für die Sichtbarkeit problematisch.
Keine Partei realisiert eine optimale Zielgruppenansprache. Die Befunde im Überblick.
Setzt sich über zu einseitig und aggressiv konnotierte Inhalte ab — beantwortet aber die Grundlagen-Fragen, die andere ignorieren.
Lange Geschichte und Regierungsarbeit lassen sich nachzeichnen. Bemüht sich um die Flüchtlingspolitik, ein Thema, das andere Parteien meiden. Kein erkennbarer „Rechtsruck“.
Findet zu oft nicht die geeigneten Formulierungen in einem geeigneten technischen Umfeld. Jubiläumsinhalte tragen nicht zur zielgerichteten Präsenz bei.
Sticht mit dem geeigneten Vokabular und provokanten Themen in Teilen durchs Einerlei der Parteien hindurch.
Reduzieren ihre Botschaften, unterstreichen persönliche Nähe — gut konsumierbar, geht aber zu Lasten der Themendiversität und Sichtbarkeit.
Im Freistaat zeigt sich eine überwiegend kritische Haltung gegenüber der AfD.