Steven Broschart
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Case Study

Landtagswahl in Bayern — was machen die Parteien gut, was nicht?

Im Vorfeld der Landtagswahl 2018 zeigt sich: die Parteien sind sehr unterschiedlich auf die digitale Wahrnehmung vorbereitet. Die Analyse vergleicht CSU, Grüne, AfD, SPD, FDP, Linke, Bayernpartei, ÖDP und Piratenpartei in den Suchergebnissen.

RankAnalystPolitikSuchverhaltenMarkenwahrnehmungZielgruppen
Einleitung
Suchmaschinen fungieren als Informationsvermittler — prominent angeboten werden Inhalte, die nachgefragt werden. Auf der anderen Seite kann nur vermittelt werden, was angeboten wird. Die Schnittmenge gibt Einblicke in die Zielgruppenansprache der Parteien. Datenquelle ist ahrefs.com.
Zielgruppen

Wer entscheidet die Wahl?

Die Stammwählerschaft schrumpft. Drei Gruppen werden besonders wichtig — sie tendieren zu spontanen Entscheidungen und brauchen viele positive Kontaktpunkte.

Unentschlossene

Etwa 50% der Wähler. Bis zur Stimmabgabe nicht festgelegt — entscheiden oft am Wahltag.

Erstwähler

Etwa 5%. Brauchen grundlegende Informationen zur Wahl als Mechanismus.

Protestwähler

Etwa 10%. Reagieren stark auf aktuelle politische Stimmungen.

Customer Journey

Wahlomat, Landtagswahl, Wahlprogramm.

Welche Parteien sind bei generischen Entscheidungs-Suchen sichtbar? Die Top-10 sind klar verteilt.

AfD

15 Top-10-Platzierungen — die meisten aller Parteien. Auch generische Suchphrasen wie „wahlprogramm landtagswahl“ erscheinen auf Platz 2. Google schließt aus dem hohen Suchvolumen auf eine generische Bedeutung.

CSU

Erzielt nur Platzierungen für markenbezogene Suchphrasen. Wer das CSU-Wahlprogramm finden will, muss gezielt nach der Partei suchen.

Linke, ÖDP, Piratenpartei

Bei diesen Suchanfragen nicht präsent.

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Google-Trends-Verlauf zu Wahlomat, Landtagswahl und Wahlprogramm
Google-Trends-Verlauf der entscheidenden generischen Suchphrasen im Vorfeld der Wahl — Wahlomat, Landtagswahl, Wahlprogramm.
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AfD-Top-Platzierungen für generische Wahlphrasen
Die AfD erzielt 15 Top-10-Platzierungen für generische Wahl-Suchphrasen — mehr als alle anderen Parteien zusammen.
Kernaussage

Erschreckend: die Fragen der Zielgruppe werden kaum beantwortet. Hier zeigt sich nur die AfD relativ stark — im Sinne der demokratischen Vielfalt müssen die anderen Parteien nacharbeiten.

Sichtbarkeit

Quantitative Einordnung.

Die CSU sticht alle anderen Parteien haushoch aus — auch im Vergleich zur bundespolitischen AfD-Domain während der Glaser-Diskussion 2017.

CSU

Dominiert die Sichtbarkeit klar — auch dank ihrer bundespolitischen Bedeutung. Erscheint für die größte Anzahl an W-Fragen.

AfD Bayern

Hoher Einstieg, gefolgt von kontinuierlicher Präsenz. Beantwortet auch grundlegende Fragen wie „wahlschein“, „wahlzettel“ oder „erststimme“ — wichtig für Erstwähler.

Andere

SPD, Grüne und FDP folgen mit großem Abstand. Die kleineren Parteien generieren kaum allgemeine Platzierungen.

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Sichtbarkeitsverlauf aller Parteien
Sistrix-Sichtbarkeitsverlauf aller untersuchten Parteien — die CSU dominiert haushoch.
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W-Fragen-Übersicht aller Parteien
Verteilung der beantworteten W-Fragen über alle Parteien — auffällig wenige Grundlagen-Fragen werden bedient.
Themen & Wording

Sprache, Kontexte, blinde Flecken.

Die Parteien zeigen ein sehr unterschiedliches Vokabular — und unterschiedliche Bereitschaft, kontroverse Themen zu adressieren.

AfD: Gewalt & CSU-Angriff

23 Top-100-Platzierungen im Kontext „gewalt“. CSU und AfD teilen sich 86 identische Suchphrasen — der inhaltliche Angriff der AfD auf die CSU lässt sich klar erkennen, ein Gegenangriff der CSU nicht.

AfD: Spenden & PayPal

Einzige Partei, die kontinuierlich für „spende“ und „paypal“ auf den vordersten Plätzen rankt — obwohl auch andere Parteien Spenden via PayPal annehmen.

FDP: Cannabis & Zuschuss

Mehrere gute Platzierungen für „cannabis“ und „rauschmittel“. Beim Thema Kita: „zuschuss“ (FDP) wird häufiger gesucht als „beitragsfrei“ (SPD).

SPD: schwaches Wording

Rankt für „spd live stream“ und viele unpassende Stream-Phrasen. Das 125-Jahr-Jubiläum erzeugt Platzierungen zu historischen Wahlplakaten — wahlrelevant ist das nicht.

CSU: 5.100 PDFs

Erzielt sehr viele Platzierungen über PDF-Dokumente. Auf der ersten Suchergebnisseite werden HTML-Dokumente bessere Performance liefern als PDFs.

Grüne: Excel-Dateien

Selbst Excel-Dateien (Reisekosten-Formular) erzielen gute Platzierungen — wahlrelevant aber irrelevant.

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AfD-Angriff auf CSU-Kontext
86 identische Suchphrasen — der AfD-Angriff auf den CSU-Kontext ist klar erkennbar, ein Gegenangriff der CSU nicht.
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AfD-Platzierungen im Merkel-Kontext
Die AfD besetzt den Merkel-Kontext stärker als die Bundespartei selbst — ein bewusster Wording-Hebel.
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AfD-Platzierungen für Spenden und PayPal
Nur die AfD erzielt belastbare Top-Platzierungen für „spende“ und „paypal“ — andere Parteien lassen das Feld liegen.
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FDP-Platzierungen für Kita-Zuschuss
Beim Thema Kita: „zuschuss“ (FDP) wird häufiger gesucht als „beitragsfrei“ (SPD) — Wording entscheidet die Sichtbarkeit.
Kernaussage

Wer regional verankert ist, muss regional sichtbar sein. Die AfD-Bundespartei dominiert in Dresden — die bayerischen Parteien zeigen kein vergleichbares regionales Profil.

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AfD-Platzierungen Chemnitz, Dresden, Leipzig
Regionale Suchanfragen-Cluster: Chemnitz, Dresden, Leipzig — die AfD-Bundespartei besetzt sie deutlich.
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AfD Dresden vs. München
Dresden vs. München: Die AfD ist regional sehr unterschiedlich präsent — eine Bayern-Strategie liegt nicht erkennbar vor.
Technische Befunde

Wenn Struktur die Sichtbarkeit verhindert.

Strukturelle Entscheidungen ohne Bewusstsein für ihre Tragweite.

Die Linke

die-linke-bayern.de leitete im Beobachtungszeitraum auf bonuama.hol.es bzw. bonuama.de um — Duplicate Content, fragwürdiger Vertrauenseindruck. Die Startseite wird aktiv von der Indexierung ausgeschlossen.

Grüne

Umleitung von gruene-bayern.de auf ichwill.gruene-bayern.de gefährdet gute Platzierungen der alten Startseite.

FDP

Umleitung von fdp-bayern.de auf fdp-frisches.bayern — von Marketingseite verständlich, für die Sichtbarkeit problematisch.

Fazit

Was die Analyse zeigt.

Keine Partei realisiert eine optimale Zielgruppenansprache. Die Befunde im Überblick.

AfD

Setzt sich über zu einseitig und aggressiv konnotierte Inhalte ab — beantwortet aber die Grundlagen-Fragen, die andere ignorieren.

CSU

Lange Geschichte und Regierungsarbeit lassen sich nachzeichnen. Bemüht sich um die Flüchtlingspolitik, ein Thema, das andere Parteien meiden. Kein erkennbarer „Rechtsruck“.

SPD

Findet zu oft nicht die geeigneten Formulierungen in einem geeigneten technischen Umfeld. Jubiläumsinhalte tragen nicht zur zielgerichteten Präsenz bei.

FDP

Sticht mit dem geeigneten Vokabular und provokanten Themen in Teilen durchs Einerlei der Parteien hindurch.

Grüne

Reduzieren ihre Botschaften, unterstreichen persönliche Nähe — gut konsumierbar, geht aber zu Lasten der Themendiversität und Sichtbarkeit.

Bayern beobachtet kritisch

Im Freistaat zeigt sich eine überwiegend kritische Haltung gegenüber der AfD.

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